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Derbe Electro-Schunkler wie „Bratwurstzange“ (das Stück handelt vom extra männlichen Wenden der Bratwurst auf dem Rost mit der Hand) oder „Ringen“ (zwei Ringern auf der Matte „juckt das Fell“) machen Rummelsnuff zum Unikat im deutschen Pop. Niemand sonst bringt Humor, einschüchterndes Erscheinungsbild, Sanftmut und Sentimentalität so mit den Klischees des Kumpels, des Ostdeutschen und des harten Hundes zusammen.
Besonders erfrischend ist das in Zeiten, in denen der mittelalte ostdeutsche Mann, ob Arbeiter oder Arbeitsloser, fast nur noch als Problemfall vorkommt. Und in denen der Muskelsport in Verruf gerät, seit Deutschrapper mit fetten Bizepsen meinen, sie müssten ihren Körperfettanteil mit dem von Holocaust-Opfern vergleichen. Mit solchen Hässlichkeiten hat Rummelsnuff nichts am Hut. Er pumpt seine Muskeln nicht, um andere zu degradieren, und er setzt – eigenen Angaben zufolge – nur natürliche Hilfsmittel ein. Neben Bratwurst ist das vor allem Harzer Käse („Harzer Käse“) und „Eier, Hühner, Quark und Milch, was Landwirt uns beschert“ („Pumper“).
In seiner Autobiografie „Rummelsnuff. Das Buch“, die im Eulenspiegel-Verlag erschienen und konsequent im Präsens verfasst ist, erinnert sich Baptist, wie er um 1991 herum, kurz nach der Wende, stolz die 80 Kilo Körpergewicht überschritt und seitdem „vor allem Mädels behaupten, dass er langsam sein Trainingsvolumen verringern sollte, da noch mehr Körpervolumen nicht mehr schön sei. Was für ein Ansporn! Nicht mehr schön sein! Es wird zum großen Ziel.“ Rummelsnuff will im Grunde mit seinem Körperbild ohnehin nicht Frauen gefallen, sondern anderen kräftigen Kerlen – oder etwa nicht?
Hundertprozentig klar wird das weder in seinem Buch, noch in seinen Shantys und Electro-Schlagern. Vielleicht soll in der Kunst eben immer ein bisschen Freiraum für Fantasie bleiben – und auf Rummelsnuffs Körper lassen sich ja wirklich sehr viele Fantasien projizieren.
Vor allem ist Rummelsnuff aber eine Integrationsfigur. Jemand, der vielleicht mal in einer Identitätskrise steckte, diese aber überwunden hat, indem er die Ferne suchte, statt die Heimat abdichten zu wollen. Bei Rummelsnuff ist deswegen seit dem ersten Album die Käpt’n-Romantik immer bestimmender geworden: Der Käpt’n, das ist eine Figur, die immer schon viel mehr gesehen hat als der Mensch vom Festland. Jemand, der weiß, dass die Welt viel komplizierter ist als Schwarz und Weiß, Freund und Feind, fremd und heimisch. Es wundert kaum, dass im Deutschland der sogenannten Flüchtlingskrise biografisch verbürgte, gegerbte Kapitäne wie Jürgen Schwandt alias Kapitän Schwandt, oder Stefan Schmidt alias Kapitän, mit ihren Blogs und Büchern zu moralischen Leitfiguren wurden. Letztlich sitzen alle Menschen im selben Boot – das weiß auch Käpt’n Rummelsnuff.
Bei ihm gibt es Zeilen wie „Der Käpt’n nimmt dich mit, er teilt die Welt mit dir“. Oder einen Hafenschunkler wie „La Rochelle“. Man könnte hier Weltkriegs-Kitsch oder Rechteres befürchten. Die Hafenstadt am Atlantik war ja im Zweiten Weltkrieg ein Stützpunkt für die U-Boote der deutschen Kriegsmarine. Aber nein, es geht nur ums Frohsein darüber, dass es endlich vorbei ist mit dem Krieg und man sich wieder nahekommen kann: „Derbe Kerls und stolze Frau’n, französisch auf den Putz gehau’n! So lernten wir von euch, wie man lebt“, singt Rummelsnuff. Es geht ihm um maximale Verbrüderung, wie immer eigentlich, „aber schnell“!










